Der Verein hat dem Bürgerkomitee „Rettet die Altstadt Stralsund“ e.V. Vorschläge für neue Tafeltexte für die beiden alten Warenhäuser von Tietz und Wertheim unterbreitet. Vielen Dank noch einmal an alle, die sich mit Vorschlägen und Hinweisen beteiligt haben. Es sind zwei Texte entstanden, die neben den Informationen zum Gebäude auch die Ehefrauen der Gründer berücksichtigen, auf die Enteignung durch die Nationalsozialisten hinweisen und außerdem noch an die Zeit nach dem 2. Weltkrieg anknüpfen. Folgende Texte sind entstanden:
Das Warenhaus Wertheim geht zurück auf ein 1852 von den Brüdern Abraham und Theodor Wertheim in Stralsund gegründetes Manufactur- und Modewarengeschäft. Abraham und seine Frau Ida sowie ihr Sohn Georg und seine Brüder erweiterten das Geschäft und schufen in den folgenden Jahren eine der größten Warenhausketten Deutschlands. Bis 1938 wurden die jüdischen Eigentümer aus dem Unternehmen gedrängt und enteignet. Das am 5. Dezember 1903 eröffnete Warenhaus in der Ossenreyerstraße 8-10 wurde 1927–1928 auf die Grundstücke Ossenreyerstraße 11/12 erweitert. Von 1949 bis 1990 beherbergte das Gebäude ein Konsum-Warenhaus.
Das Warenhaus Leonhard Tietz ging aus einem kleinen Ladenlokal hervor, das der aus Birnbaum (ehem. Provinz Posen, heute Polen) stammende jüdische Kaufmann Leonhard Tietz in der Ossenreyerstraße 31 am 14. August 1879 eröffnete. Ausgehend von Stralsund schufen er, seine Frau Flora und weitere Familienmitglieder mit der Leonhard Tietz AG eine der großen deutschen Warenhausketten. Nach dem 1933-34 von den Nationalsozialisten erzwungenen Rückzug der Familie Tietz aus dem Unternehmen und ihrer Enteignung erfolgte die Umfirmierung in Westdeutsche Kaufhof AG, später Kaufhof AG. Das am 11. Oktober 1902 eröffnete Warenhaus in der Ossenreyerstraße 19 ist nach Plänen des Architekten Georg Falck errichtet worden. Die heutige Fassade im Stil des Backstein-Expressionismus stammt aus dem Jahr 1927.
